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Vorhofflimmern –
Die Volkskrankheit des Herzens

Vorhofflimmern – die „Volkskrankheit“ des Herzens

Wussten Sie, dass etwa jeder fünfte Schlaganfall durch Herzrhythmusstörungen mitverursacht wird? Und haben Sie eine Vermutung, welche Rhythmusstörung weltweit am stärksten zunimmt?

Die häufigste behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörung heißt Vorhofflimmern. Mit steigender Lebenserwartung nimmt sie rasant zu. Statistisch verdoppelt sich das Risiko ab dem 50. Lebensjahr etwa alle zehn Jahre. Rund jeder vierte heutige 40-Jährige wird im Laufe seines Lebens betroffen sein.
Und doch: Vorhofflimmern ist keine reine Alterserscheinung. Auch jüngere, sportliche oder scheinbar vollkommen gesunde Menschen können betroffen sein.

Was passiert im Herzen?

Normalerweise gibt der Sinusknoten den Takt vor – ruhig, geordnet, verlässlich (siehe auch „Dirigent und Ensemble – Wie entsteht der Herzrhythmus“). Wie bei einem tropfender Wasserhahn breiten sich die elektrischen Erregungswellen von ihm aus und verbreiten sich wie eine langsame Dünung über das gesamte Herz.
Beim Vorhofflimmern hingegen entsteht ein elektrisches Chaos. Viele elektrischen Erregungswellen kreisen, kollidieren oder löschen sich gegenseitig aus. Die regelmäßige Dünung wandelt sich dadurch in ein kabbeliges Meer.
Die Folge: Die Vorhöfe verlieren ihre koordinierte Pumpfunktion und beginnen sichtbar zu „flimmern“ – daher der Name. Ausserdem geschieht die Überleitung auf die Herzkammern unregelmäßig und kann häufig zu schnell oder zu langsam erfolgen. Dementsprechend schlägt das Herz in einem chaotischen Rhythmus mit inadequater Frequenz.

Ursachen – selten nur ein einzelner Auslöser

Vorhofflimmern entsteht meist durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

  • Bluthochdruck
  • Herzklappenerkrankungen
  • strukturelle Veränderungen der Vorhöfe
  • chronische Belastung des Herzens

Besonders häufig beginnt das Problem in den Lungenvenen, die wie kleine Störsender wirken und den geregelten Herzrhythmus aus dem Takt bringen.

Der AV-Knoten: Ihr körpereigener „Filter“

Trotz des Chaos im Vorhof bleibt der Körper häufig erstaunlich kontrolliert. Der sogenannte AV-Knoten übernimmt eine Schutzfunktion. Er filtert die vielen elektrischen Impulse und lässt nur einen Teil zur Herzkammer durch.Der AV-Knoten ist sozusagen der Türsteher Ihres Herzens – nicht jede beliebige elektrische Erregung kommt rein in die Herzkammern.

Symptome – von dramatisch bis unbemerkt

Die Wahrnehmung von Vorhofflimmern ist erstaunlich unterschiedlich:

Typische Beschwerden sind:

  • Herzrasen oder unregelmäßiger Puls
  • Luftnot
  • Schwindel
  • Brustdruck
  • innere Unruhe

Manche Patienten beschreiben es als Gefühl, „das Herz wolle aus der Brust springen“. Andere hingegen merken… nichts.

Gerade diese stille Form macht Vorhofflimmern so tückisch – denn die Risiken bleiben bestehen.

Die größte Gefahr: Schlaganfall

Durch das unkoordinierte Flimmern verlangsamt sich der Blutfluss im Vorhof. Besonders im sogenannten Vorhofohr kann sich Blut „stauen“ und Gerinnsel bilden – wie in einem schlammigen Seitenarm eines Flusses.

Diese können sich lösen und in den Kreislauf gelangen, wo sie dann Gefäße verstopfen können – mit potenziell schwerwiegenden Folgen:

  • Schlaganfall
  • Herzinfarkt
  • Gefäßverschlüsse

Die gute Nachricht:
Ein Schlaganfall kann verhindert werden. Mit modernen Gerinnungshemmern lässt sich das Risiko stark reduzieren. Für ausgewählte Patienten gibt es zusätzlich mechanische Lösungen wie den Verschluss des Vorhofohrs mittels Herzkatheter. Dabei wird ein spezielles Schirmchen in die Öffnung des Vorhofohrs eingesetzt. Dieser verhindert, dass Gerinnsel aus dem Vorhofohr in den Blutkreislauf gelangen– vereinfacht gesagt: ein „Stöpsel“ im Herzen gegen gefährliche Gerinnsel.

Der Teufelskreis: Warum frühes Handeln entscheidend ist

Vorhofflimmern verändert die Struktur des Herzens – und diese Veränderungen begünstigen wiederum weiteres Vorhofflimmern. Kurz gesagt: Vorhofflimmern erzeugt Vorhofflimmern. Mit der Zeit werden die Episoden häufiger und länger, bis sie dauerhaft bestehen können. Daher sollte man nicht zu lange warten, bis man sich zu einer Behandlung entschließt. Grundsätzlich stehen sich zwei Therapiekonzepte gegenüber:

Rhythmuskontrolle – zurück zum normalen Takt
Hierbei wird versucht, den normalen Herzrhythmus, den Sinusrhythmus wiederherzustellen und zu erhalten. Hierzu werden verschieden Methoden eingesetzt:

  • Medikamente (Antiarrhythmika)
  • Elektrische Kardioversion („Reset“ des Herzens, Elektroschock)
  • Katheterablation (Pulmonalvenenisolation)

Gerade die Katheterablation ist heute ein verlässliches Verfahren – besonders effektiv im frühen Stadium.

Frequenzkontrolle – wenn der Rhythmus bleibt

Wenn Vorhofflimmern als dauerhaft akzeptiert wird, kann mit Medikamenten sichergestellt werden, dass die Herzfrequenz die normale Geschwindigkeit behält.  Hier kommen u. a. Betablocker oder andere Medikamente zum Einsatz, die den AV-Knoten unterstützen.

Fazit:

Vorhofflimmern ereilt viele Menschen und tritt im Alter häufiger auf. Die größte Gefahr beim Vorhofflimmern besteht in der Gefahr eines Schlaganfalls. Ein solcher kann effektiv durch eine blutverdünnende Behandlung verhindert werden. Es gibt verschiedene Methoden, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen. Eine Katheterablation ist am effektivsten. Selbst, wenn Vorhofflimmern dauerhaft besteht, kann man damit ein normales Leben führen.

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