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harmlose Herzrhythmusstörungen

Kreisende Herzströme –
Harmlose Herzrhythmusstörungen

Wenn das Herz stolpert – und warum es manchmal klingt wie ein Mikrofon

Was haben ein Mikrofon und das Herz gemeinsam? Beide reagieren sensibel auf kleinste elektrische Impulse – und beide können gelegentlich „Rückkopplungen“ produzieren. Während das beim Mikrofon ein unangenehmes Pfeifen ist, äußert sich dies beim Herzen als spürbares Stolpern oder plötzliches Herzrasen. Eine technische Analogie – und zugleich ein guter Einstieg in die faszinierende Welt der Herzrhythmusstörungen.

Der normale Takt – und kleine Aussetzer im Alltag

Unser Herz schlägt im Idealfall im sogenannten Sinusrhythmus, gesteuert vom Sinusknoten – dem natürlichen Taktgeber. Doch so zuverlässig dieses System ist: Ein völlig störungsfreier Rhythmus über ein ganzes Leben hinweg ist eher die Ausnahme als die Regel.

Fast jeder Mensch kennt das Gefühl, wenn das Herz kurz „aus dem Takt gerät“. Diese sogenannten Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge, die durch spontane elektrische Entladungen einzelner Herzmuskelzellen entstehen – entweder in den Vorhöfen oder den Herzkammern. In den meisten Fällen sind sie harmlos.
Nicht nur das. Die Tatsache, dass auch andere Zellen als die des Sinusknotens einen elektrischen Rhythmus vorgeben können, ist eine wichtige Sicherheitsfunktion des Herzens, falls der Sinusknoten einmal erkrankt und nicht mehr korrekt abeitet. Beim Aussetzen des Sinusrhythmus, kann der Herzrhythmus dann von Ersatzzentren übernommen werden. Diese schlagen in der Regel einfach langsamer als der Sinuskonten und werden daher normalerweise vom Sinusrhythmus „überstimuliert“. Wenn der Sinusknoten einen langsamen Rhythmus vorgibt, meist in Ruhe aber auch bei einer Erkrankung, kommen diese Ersatzzentren vermehrt zum Einsatz.  Daher treten Extrasystolen auch vor allem in Ruhe auf, also abends auf dem Sofa oder nach dem Zubettgehen.

Extrasystolen – spürbar, aber meist ungefährlich

Interessanterweise bleiben viele dieser zusätzlichen Schläge unbemerkt. Wenn sie jedoch wahrgenommen werden, beschreiben Patienten häufig ein „Stolpern“, „Aussetzer“ oder kräftiges „Pochen bis zum Hals“. Der Grund: Nach einer kurzen Pause füllt sich die Herzkammer stärker und pumpt beim nächsten Schlag mit mehr Kraft.

Typischerweise treten Extrasystolen eher in Ruhe auf (siehe oben). Und hier kommt eine überraschend einfache „Therapie“ ins Spiel: Bewegung. Schon ein paar Schritte oder einige Kniebeugen können ausreichen, um den normalen Rhythmus wieder zu stabilisieren. Mit steigender Herzfrequenz übernimmt der Sinusknoten wieder zuverlässig die Führung – fast so, als würde ein Dirigent das Orchester neu ordnen.

Sollten die Beschwerden jedoch häufiger auftreten, länger anhalten oder bei bestehenden Herzerkrankungen vorkommen, empfiehlt sich eine kardiologische Abklärung.

Wenn das Herz in Schleifen denkt – der Reentry-Mechanismus

Komplexer wird es bei sogenannten Reentry-Tachykardien. Hier liegt das Problem nicht in einzelnen „Fehlzündungen“, sondern in einem sich selbst erhaltenden elektrischen Kreislauf.

Man kann sich das wie eine Weggabelung vorstellen: Zwei Leitungsbahnen verbinden Vorhöfe und Herzkammern. Eine leitet schnell, die andere langsamer. Wenn die Bedingungen stimmen, kann ein elektrischer Impuls in einer Art Schleife zirkulieren – durch die schnelle Leitungsbahn nach vorne und durch die langsame wieder zurück, ähnlich wie bei der Rückkopplung eines Mikrophons. Die Erregung saust immer wieder im Kreis, unabhängig vom eigentlichen Taktgeber.

Das Ergebnis: ein plötzlich einsetzendes, regelmäßiges Herzrasen, oft mit Frequenzen über 150 Schlägen pro Minute.

Plötzliches Herzrasen – und was man selbst tun kann

Diese Form der Rhythmusstörung tritt häufig bei ansonsten herzgesunden, oft jüngeren Menschen auf. Die Anfälle beginnen abrupt und können Minuten bis Stunden andauern. In dieser Zeit ist die körperliche Belastbarkeit deutlich eingeschränkt.

Eine einfache und effektive Sofortmaßnahme ist das sogenannte Valsalva-Manöver: tief einatmen, den Atem anhalten und pressen, dann rasch ausatmen. Auch kaltes Wasser kann durch einen reflektorischen Reiz helfen, den Kreislauf zu unterbrechen.

Sollte dies nicht ausreichen, stehen in der medizinischen Behandlung hochwirksame Medikamente wie Adenosin zur Verfügung, die die elektrische Überleitung im Herzen kurzzeitig blockieren – also eine der Leitungsbahnen ausschalten – und so den normalen Rhythmus wiederherstellen.

Dauerhafte Lösung durch moderne Kardiologie

Die gute Nachricht: Diese Form der Rhythmusstörung lässt sich heute in den meisten Fällen dauerhaft heilen.

Im Rahmen einer elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) wird das Herz über feine Katheter, die meist über die Leiste eingeführt werden, präzise vermessen. So kann die fehlerhafte Leitungsbahn exakt lokalisiert werden.

Anschließend erfolgt die sogenannte Ablation – eine gezielte Verödung der überflüssigen Leitungsbahn. Die „Rückkopplung“ im elektrischen System wird dauerhaft beseitigt. Die Erfolgsraten liegen bei über 90 Prozent, die meisten Patienten sind danach beschwerdefrei geheilt.

Fazit: Gelassen bleiben – aber aufmerksam sein

Herzstolpern ist in den meisten Fällen harmlos und oft eher ein Ausdruck eines sensiblen, fein regulierten Systems als ein Zeichen von Krankheit. Dennoch lohnt es sich, aufmerksam zu bleiben – insbesondere bei neu auftretenden, anhaltenden oder belastenden Symptomen.

Oder, um noch einmal auf das Mikrofon zurückzukommen: Ein kurzes Pfeifen ist meist kein Grund zur Sorge – aber wenn es häufiger auftritt, lohnt sich ein genauer Blick auf die Technik dahinter.

 

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