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Alkohol und Herz -
Was kann passieren?

Radikal – Was macht Alkohol mit dem Herzen?

Alkohol gehört in vielen Kulturen zu Geselligkeit, Genuss und Urlaub – aber was passiert eigentlich in unserem Herz, wenn wir trinken? Und warum haben schon Bierbrauer im 19. Jahrhundert ein besonderes Herzproblem gehabt? Genau darum geht es hier – und keine Sorge, wir nehmen das Herz ernst, aber mit einem kleinen Augenzwinkern.

Das Herz ist unser unermüdlicher Partner – rund um die Uhr pumpt es Blut durch unseren Körper und kommt dabei mit allem in Kontakt, was wir essen, trinken oder einatmen. Auch mit Alkohol.

Alkohol: Alles ist Gift – nur die Dosis macht’s

Paracelsus, der Arzt aus dem 15. Jahrhundert, wusste es schon: Alles ist Gift, allein die Dosis macht das Gift. Das gilt auch für Alkohol. Kleine Mengen können bei manchen Menschen kaum schaden, während übermäßiger Genuss das Herz stark belasten kann.

Die WHO ist da streng. Schon der erste Tropfen Alkohol erhöht nach ihrer Ansicht das Gesundheitsrisiko: Krebs, Leberschäden, Hirnschädigung und Schädigung der Leibesfrucht sind nur einige der möglichen Folgen. Die Gefährlichkeit von Alkohol ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sieht es differenzierter: Bis zu etwa 100 g reiner Alkohol pro Woche gelten als vertretbar – das entspricht etwa 2 Liter Bier oder 1,5 Liter Wein pro Woche für Männer. Für Frauen ist die Empfehlung niedriger, da der Körper Alkohol weniger gut abbaut.

Was aber kann denn der Alkohol am Herzen verursachen?

Holiday Heart Syndrom – das Urlaubsherz

Wer kennt es nicht: Urlaub, Entspannung, ein Gläschen zu viel. Bei manchen Menschen kann das zu einer plötzlichen Veränderung des Herzrhythmus führen- plötzlich schlägt das Herz merkwürdig unregelmäßig oder schnell.

Ein Fallbeispiel: Ein Mann Mitte 50 kommt nach einer Kreuzfahrt in unsere Sprechstunde. Viel Spaß, reichlich Essen – und vor allem Alkohol. Ab dem dritten Tag spürt er ein unruhiges Herz, Luftnot bei geringer Belastung und ab und zu Schwindel. Das EKG bei uns zeigt ein wildes elektrisches Chaos in den Vorhöfen: Vorhofflimmern.

Hier spricht man vom Holiday Heart Syndrom: Herzrhythmusstörungen, die typischerweise nach erhöhtem Alkoholkonsum in entspannten Situationen auftreten – oft nur vorübergehend, manchmal dauerhaft. Die Behandlung kann in manchen Fällen eine Elektrokardioversion sein, ein kurzer Stromstoß, der das Herz wieder in den normalen Rhythmus bringt. Auf jeden Fall sollte aber von Betroffenen eine Alkoholkarenz eingehalten werden. Auch geringe Mengen Alkohol können nämlich bei manchen Menschen die Herzschlag-Schwelle für Rhythmusstörungen senken – das Herz wird einfach „übererregbar“.

Was macht Alkohol noch am Herzen?

Alkohol und Herzmuskelschwäche – die Alkoholkardiomyopathie

Schon im 19. Jahrhundert fiel in München auf, dass Männer mit extrem hohem Bierkonsum häufig ein vergrößertes, schwaches Herz entwickelten. Damals sprach man vom „Münchner Bierherz“. Heute nennen wir es Alkoholkardiomyopathie – eine Herzmuskelschwäche durch übermäßigen Alkoholkonsum, unabhängig vom Getränk.

Was passiert im Herzmuskel?

Beim Abbau von Alkohol entsteht Acetaldehyd, ein Stoff, der Sauerstoffradikale freisetzt. Diese aggressiven Moleküle verursachen oxidativen Stress, der Herzmuskelzellen schädigt. Langfristig kann sich die Herzkammer erweitern, die Muskelkraft sinkt, und die Pumpleistung des Herzens nimmt ab (siehe auch „Wenn das Herz schlapp macht – Herzinsuffizienz„).

Info-Box: Oxidativer Stress = zu viele aggressive Sauerstoffverbindungen, die Zellen schädigen. Antioxidantien im Körper versuchen, dagegen anzukämpfen – bei starkem Alkoholkonsum reicht das oft nicht aus.

Behandlung und Prognose

Die Basis der Behandlung ist klar: Alkoholabstinenz. Nur so kann der Herzmuskel zur Ruhe kommen und sich erholen. Zusätzlich erfolgt eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie der Herzschwäche, die oft lebenslang fortgeführt werden muss.

Bei konsequenter Umsetzung kann sich die Herzfunktion verbessern oder sogar wieder normalisieren. Bei schweren Fällen bleiben Einschränkungen, und die Prognose ist reduziert.

Fazit

Alkohol hat einen festen Platz in Kultur, Genuss und Urlaub – doch unser Herz reagiert sensibel auf zu viel davon. Von kurzfristigen Rhythmusstörungen beim Holiday Heart Syndrom bis zur langfristigen Alkoholkardiomyopathie – das Herz spürt, was wir trinken.

Die gute Nachricht: Mit maßvollem Konsum, ärztlicher Betreuung und gegebenenfalls Abstinenz kann das Herz geschützt und sogar geheilt werden. Wer mehr über die Verbindung zwischen Herz und Lifestyle erfahren möchte, kann in unseren weiteren Beiträgen und Büchern tiefer einsteigen

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